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Bereits im Mittelalter wurde bei Filisur Erz abgebaut und zu Eisen
geschmolzen. Urkundlich erwähnt werden diese Bergwerke und somit die Bellaluna
erstmals im Jahre 1568. Bellaluna war das Zentrum der Bergbaugeschichte des
Albulatals: Hier befanden sich die Hochöfen der Eisen- und Zinkschmelze. Heute
zeugen nur noch Ruinen und Mauerreste vom Glanz vergangener Zeiten. Einzig das
Knappen- und Direktionshaus ist erhalten geblieben.
Mehrere hundert Arbeiter habe die Schmelze in ihrer Blütezeit gehabt. Diese
Grubenarbeiter sollen es gewesen sein, die in einer feuchtfröhlichen
Vollmondnacht ihr Haus auf dem Namen Bellaluna getauft hätten. Nach anderen,
nicht urkundlich bescheinigten Quellen, sei diese Waldlichtung einer der
berüchtigtsten Hexenplätze Graubündens gewesen, wo sich die Hexen bei Vollmond
zum Tanz versammelt hätten und auf ihren Besen Richtung Holland gestartet seien.
Hier sei der Name Bellaluna von bal a l‘una, dem Tanz nachts um eins, abgeleitet
worden.
 Das Bergbauwesen im hinteren
Albulatal erreichte seinen Höhepunkt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Einen letzten Frühling brachte die beginnende Moderne Ende des 18.
Jahr-hunderts, ehe man 1848 definitiv die Tore schloss.
Daraufhin wechselte die Bellaluna mehrmals den Besitzer.
1864 Paul Lorenz an Christian
Brunold 1865 Christian Brunold an Willi
Michel 1867 Willi Michel an Jakob Margreth 1869
Ursula Margreth an Andreas Gantenbein 1903 David Gantenbein an J.P. Schmid, Chur
Im Jahre 1903 wurde in der Bellaluna durch J.P Schmid eine Sägerei errichtet,
um die Wasserkraft der Albula zu nutzen. Das Hochwasser im August 1954 und der
Brand im November 1955 setzten dem Betrieb stark zu, so dass die Sägerei in die
Nähe des Dorfes Filisur verlegt werden musste.

1962 entdeckte Paulina Roth das “Hexenhaus” Bellaluna. Sie hatte mit
Bergwerk und Sägerei nichts am Hut: Ihr Ziel war es, das alte, langsam
zerfallende Haus als Gasthaus zu neuem Leben zu erwecken. Am 13. September 1965
wurde die Bellaluna von J.P. Schmid an Paula Roth verkauft.

In den langen, schneereichen
Wintern verirrte sich wochenlang kaum ein Gast ins abgelegene Wirtshaus. Paula
Roth hatte genügend Zeit zum Dichten und um allerlei Kuriositäten zu
basteln.
Ihr Name wird mit unvergesslichen und manchmal mysteriösen
Ereignissen in Verbindung gebracht. Nachfolgend werden einige Episoden aus jenen
26 Jahren wiedergeben:
Als 1963 eine spiritistische Gruppe, die den
Weltuntergang predigte, in der Bellaluna überwinterte, sei Paula Roth vergeblich
zur Teilnahme an ihren Bibelstunden eingeladen worden. Sie habe bereits ihre
Kirche und der bleibe sie treu: “Ich han mis Harmonium und mini Gäscht, und
predige tarf, wer will, und s'Geischtige tömmer trinke.“
Die Frage "mit
oder ohne" sollen die meisten Gäste mit einem "ohne" beantwortet haben - die
Wirtin fand es praktischer und die Gäste hygienischer, wenn die Flaschen ohne
Glas serviert wurden. Die Gesundheitsbehörde konnte nie den Nachweis mangelnder
Sauberkeit erbringen, da Paulas Hunde jede Beamtenseele schon von weitem
erschnüffelten und in die Flucht schlugen.
Im Januar 1968 schneite es wie
im grossen Lawinenwinter 1952. Die Bellaluna steckte haustürhoch im Schnee, als
aus Filisur der Befehl zur Evakuierung kam. Schafe und Zwerggeissen wurden auf
zwei Jeeps verladen, Paulas 22 Hennen, 3 Pfauen, 4 Katzen und 2 Hunde wurden von
ihr eigenhändig in Strohsäcke verschnürt. Inmitten dieser Bündel platzierte sie
sich selber auf dem dritten Jeep, einen bleischweren Koffer auf den Knien,
gefüllt mit Münzrollen, ihrem ganzen Vermögen von einigen tausend Franken. Sie
sei es gewohnt und bleibe dabei, ihre Schulden bar zu bezahlen, den Halunken der
Bank vertraue sie keinen roten Rappen an. Aussagen wie diese wurden ihr
wahrscheinlich zum Verhängnis.
Am 18. April 1988 wurde Paula Roth
ermordet, eine Tat, die über die Landesgrenze hinaus Aufsehen erregte. Die Täter
wurden gefasst und verurteilt.
Die Bellaluna wurde erneut verkauft, sie
blieb jedoch leer und unbewohnt. In der Folge wurde während 13 Jahren alles, was
nicht niet- und nagelfest war, gestohlen und geplündert.
Ab Oktober 2001
wurde die baufällige, unter Denkmalschutz stehende Bellaluna von den neuen
Besitzern Bruno und André Brazerol mit viel Eigenleistung und Idealismus - auch
von zahlreichen freiwilligen Helfern - welchen ein grosses "Dankeschön" gebührt
- renoviert und erweitert.
Schliesslich, am 12. Juli 2003 - notabene Geburtstag
von Paula Roth, sie wäre 85 jährig geworden - kann die Gesamteröffnung der
Bellaluna gefeiert werden.
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